Neben dem Pavillon standen lebensgroße Schachfiguren einander gegenüber. Seit Jahren hatte niemand sie in den Krieg gezogen. Eine Katze strich durch den verschneiten Garten. Die Malerin wandte sich vom Fenster ab.
„Die Villa gefällt mir“, sagte sie. „Darf ich sie anprobieren?“
„Selbstverständlich“, sagte ich. „Warten Sie, ich helfe Ihnen.“
„Nein, es muß leicht gehen. Ich brauche ein Haus, in das ich hineinwachsen kann. Erst wenn die Wände farbig geworden sind, und wenn ich beginne, mich an ihnen zu reiben, möchte ich wieder aus ihm erwachen.“
Während der Anprobe stahl sich die Dämmerung in die alte Villa. Draußen begannen die Bauern einen lautlosen Kampf, Läufer zogen schräge Bahnen, die Damen standen ihren Königen bei. In der Küche sang ein Wasserkessel, im Salon entfaltete sich der Duft von Kaffee und Zuckergebäck, ein Flügel nahm Konturen an und sehnte sich nach Händen.
Ich hörte die Stimme der Malerin aus dem Kamin.
„Spielen Sie! Es ist ein wirkliches Traumhaus. Nur den Schornsteinfeger muß man rufen, zu viel Ruß hat sich angesammelt.“
„Es liegt weit entfernt von der Stadt“, rief ich, „wer hier wohnt, darf nicht furchtsam sein.“
„Nachts werden die Sterne funkeln“, antwortete sie, „und im Sommer sollen Schwäne im Teich leben.“
Ich goß ihr eine Tasse Kaffee ein, als sie wieder im Salon erschien.
„Das Haus steht Ihnen ausgezeichnet“, sagte ich.
Man darf Häuser nicht zu lang sich selbst überlassen. Sie werden sonst unglücklich wie begonnene Kreuzworträtsel und träumen ihre Lösung.